GOOGLE UNTER EU-FEUER. ES GEHT UM KI, DATEN UND ILLEGALES SCRAPING VON INHALTEN
Die Europäische Kommission hat ein kartellrechtliches Verfahren gegen Google eingeleitet, das zu einem der wichtigsten Präzedenzfälle in der Geschichte der Regulierung künstlicher Intelligenz in Europa werden könnte. Es geht nicht mehr nur um Werbung oder eine Suchmaschine, sondern um das Recht von Big Tech, die Inhalte anderer Leute zu nutzen, um KI-Modelle zu trainieren.
Google und künstliche Intelligenz: Was untersucht Brüssel?
Die EU-Behörden untersuchen, ob Google unrechtmäßig Inhalte von Online-Verlagen und YouTube-Material verwendet hat:
- Training von generativen KI-Modellen,
- die Erstellung von KI-Übersichtsdiensten (automatische Antworten über Suchergebnisse),
- die Entwicklung von AI Mode – einer Chatbot-Version der Suchmaschine.
Verleger und Urheber hatten keine Möglichkeit, Einspruch zu erheben oder entschädigt zu werden, und Google hat gleichzeitig KI-Konkurrenten den Zugang zu diesen Daten verwehrt.
Warum ist dieser Fall ein Meilenstein?

KI-Übersichten sind eine stille Übertragung von Werten
KI-Übersichten nutzen die Inhalte von Verlagen, fangen aber den Traffic ein, der zuvor auf die Quellseite ging. Was bedeutet das für Verlage, Shops und das gesamte Internet?
- weniger Klicks,
- Rückgang der Verlagseinnahmen,
- Verlust der Kontrolle über ihre eigenen Inhalte.
Die EU untersucht, ob Google seine marktbeherrschende Stellung bei der Suchmaschine ausgenutzt hat, um seine eigene KI mit der Arbeit anderer zu betreiben – ohne deren Zustimmung oder Bezahlung.
YouTube als geschlossene Datenmine
Das zweite und potenziell noch ernstere Thema ist YouTube. Google könnte seine eigenen KI-Modelle auf den Videos der Nutzer trainieren und damit konkurrierende KI-Unternehmen von denselben Daten abschneiden. Wenn sich dies bestätigt, sprechen wir von einer systematischen Privilegierung der eigenen KI-Produkte auf Kosten des Marktes.
Dies ist KEIN DMA-Problem. Das ist schwere Artillerie
Das Verfahren findet nicht nach dem Gesetz über digitale Märkte statt, sondern nach den klassischen EU-Kartellvorschriften. Die Sanktionen könnten bis zu 10 % des weltweiten Umsatzes von Alphabet betragen, und der ganze Fall könnte einen weltweiten Präzedenzfall für das KI-Training auf fremden Inhalten schaffen. Das Ergebnis wird sich auf das gesamte Ökosystem auswirken: OpenAI, Meta, Amazon, Anthropic.
Künstliche Intelligenz und Google: Politik im Hintergrund
Die Untersuchung hat bereits zu diplomatischen Spannungen geführt. Die Regierung von Donald Trump beschuldigt die EU, Big Tech in den USA ins Visier zu nehmen, aber Brüssel kontert die Vorwürfe mit dem Hinweis auf „nationale Neutralität“. Eines ist klar: KI ist zu einem geopolitischen Spielfeld geworden, und Europa versucht, die Regeln durchzusetzen, bevor es die Konzerne tun.
Für Verlage und E-Commerce bedeutet dies:
- mögliche neue Lizenzierungsmodelle für Inhalte,
- Eine echte Chance, für die Nutzung von Inhalten durch KI bezahlt zu werden,
- Ändern Sie die Spielregeln für SEO und Sichtbarkeit bei Google.
Für AI:
- Ein Ende des „wilden Scrapings“ im Internet,
- mehr Druck für die Transparenz von Datenquellen,
- höhere Kosten für die Ausbildung von Modellen.
Für Google:
- Das Risiko von Geldbußen in Milliardenhöhe,
- Erzwingt möglicherweise Änderungen in den KI-Übersichten,
- Verlust des Wettbewerbsvorteils gegenüber OpenAI und anderen Akteuren.
Dies ist kein weiterer ‚regulatorischer Sturm im Wasserglas‘. Es geht um die grundsätzliche Frage, wer wirklich für die Entwicklung der künstlichen Intelligenz bezahlt – und ob Innovation auf Kosten der Urheber gehen kann. Wenn die EU ihren Willen durchsetzt, könnte die Ära des kostenlosen Internets als Treibstoff für die KI zu Ende gehen.