Galaxy-Nutzer verwenden keine KI zur Bearbeitung von Fotos. Die Daten von Samsung zeigen einen interessanten Trend
Samsung hat die Behauptung aufgestellt, dass das Galaxy AI der größte Fortschritt in der Geschichte seines Smartphones ist. Das Unternehmen prahlte mit intelligentem Zuschneiden, dem Entfernen unerwünschter Objekte und generativen Werkzeugen, um jedes Foto zu „retten“. Es sieht so aus, als ob die Tools, die eigentlich den Durchbruch bringen sollten, eine Funktion bleiben… die von den meisten Benutzern umgangen wird.
Eine neue europäische Umfrage zeigt das Ausmaß dieses Phänomens. Und obwohl die Umfrage mit einer relativ kleinen Stichprobe (500 Erwachsene in 10 Ländern) durchgeführt wurde, entsprechen die Ergebnisse einem allgemeinen Trend: Die Nutzer haben Zugang zu KI-Funktionen, können sie aber nicht finden, wissen nicht, wie sie funktionieren oder haben einfach nicht das Bedürfnis, sie zu nutzen.
Samsung Benutzer sehen Fehler in Fotos… aber tun nichts dagegen
Laut Samsung bemerken 9 von 10 Befragten Elemente in ihren Fotos, die sie gerne verbessern würden:
– Personen im Hintergrund,
– zufällige Objekte,
– unerwünschte Schatten,
– Spiegelungen, die sie bei der Aufnahme nicht gesehen haben.
Das ist ein wichtiges Signal, denn es zeigt, dass der Bedarf an Bearbeitung real ist. Das ist kein abstraktes Problem – fast jeder Nutzer sieht etwas, das ein Foto verdirbt.

Und nun das Interessanteste: Trotz dieser Notwendigkeit haben erstaunliche 74% der Befragten Galaxy AI noch nie zur Korrektur dieser Fehler verwendet.
Nicht „selten“.
Nicht „gelegentlich“.
Nie.
Diese Zahl erscheint auf einer Reihe unabhängiger Tech-Seiten, die dieselbe Studie zitieren: SamMobile, Android Police, SammyFans, TheMobileIndian. Es handelt sich also nicht um eine isolierte Interpretation – es sieht so aus, als ob die Mehrheit der Samsung Galaxy-Nutzer die KI-Funktionen tatsächlich umgeht.
Generative Bearbeitung – Samsungs lauteste Funktion mit der geringsten Nutzung
Im Zusammenhang mit dieser Umfrage ist Generative Edit, eine Funktion, die Samsungs Antwort auf Apples Ansatz sein sollte, besonders interessant. Sie ermöglicht es Ihnen, Objekte zu entfernen, KI-Hintergründe aufzufüllen, Rahmenelemente zu verschieben und die Ästhetik eines Fotos anzupassen. Sie hat online Begeisterung ausgelöst – Memes, Vergleiche, Tests, virale Videos.
Das Problem ist, dass sich dieser Online-Hype nicht in der Praxis niedergeschlagen hat.
Der Bericht zeigt, dass Generative Edit eine der am wenigsten genutzten Funktionen ist. Samsung weist nicht explizit darauf hin, aber die Branche liest es deutlich: Die Funktion ist beeindruckend, aber versteckt, und der durchschnittliche Benutzer hat keine Ahnung, dass er sie nutzen kann.
Samsung zeigt mit dem Finger auf den Übeltäter: die Auffindbarkeit von Funktionen
Das Unternehmen gibt den Benutzern nicht die Schuld – ganz im Gegenteil. Es gibt zu, dass das Problem in der Auffindbarkeit liegt, d.h. in der Leichtigkeit, mit der die Funktionen im System gefunden werden. Photo Assist, Eraser, Remover, generative Tools – die meisten dieser Funktionen sind tief in der Gallery-Oberfläche versteckt.
Und Samsung ist sich bewusst, dass die KI, nach der Sie suchen, nicht genutzt werden wird.
Dies ist kein neues Phänomen. Seit Jahren zeigt die UX-Forschung, dass Funktionen, die nicht ‚zur Hand‘ sind, für den normalen Benutzer nicht existieren. Das Gleiche wurde bei Google Fotos, Adobe Express oder sogar dem Nachtmodus von Kameras beobachtet – solange sie nicht automatisch eingeschaltet werden, werden sie von einer kleinen Gruppe informierter Benutzer genutzt.
Zweites Problem: Die Leute wollen keinen Moment mit Fotos vergeuden
Ein interessantes Element der Umfrage ist die Schlussfolgerung, dass mehr als die Hälfte der Befragten das Gefühl hat, beim Fotografieren „aus dem Moment gerissen zu werden“. Samsung weist darauf hin, dass die KI dieses Problem lösen sollte: Fotos ohne Stress aufnehmen, später korrigieren.
Aber auch hier gibt es einen Konflikt: Da die Benutzer die Bearbeitungswerkzeuge nicht öffnen, funktioniert das ganze Konzept ’schnell machen, später verfeinern‘ nicht.
Die Studie von Samsung ist klein, aber der Trend wird von anderen Quellen bestätigt
Natürlich sollte man beachten, dass eine Stichprobe von 500 Personen in 10 Ländern nicht viel ist. Dies ist kein Bericht, aus dem man Rückschlüsse auf alle Samsung-Besitzer weltweit ziehen kann. Außerdem hat Samsung die vollständige Methodik nicht veröffentlicht – wir wissen nicht, welche Telefonmodelle die Befragten hatten und ob sie alle tatsächlich Zugang zu Galaxy AI hatten.
Aber gleichzeitig:
– die mangelnde Nutzung von KI-Funktionen auf Smartphones wird durch zahlreiche Analysen des Verbraucherverhaltens bestätigt,
– Google hat wiederholt von einer „problematischen Annahme von KI in Fotos“ gesprochen,
– auch Apple stellt eine geringe Nutzung der neuen Bearbeitungsfunktionen außerhalb der Gruppe der „Power User“ fest.
Kurzum – der Trend ist zuverlässig, auch wenn die Umfrage selbst nicht groß ist.
Die wichtigste Schlussfolgerung? KI bedeutet nichts, wenn der Benutzer sie nicht sieht
Samsung verfügt über leistungsstarke Werkzeuge. Die Galaxy KI ist in der Tat leistungsstark und kann Fotos retten, die früher im Papierkorb gelandet wären. Das Problem ist, dass die überwiegende Mehrheit der Benutzer an einem Ort lebt, an dem diese Funktionen… nicht existieren, weil sie nicht wissen, wie sie zu finden sind.
Aus einer UX- und Marketing-Perspektive ist dies ein sehr wertvolles Signal: Smartphone-Hersteller können Millionen in „revolutionäre KI-Funktionen“ pumpen, aber wenn sie nicht wie ein Tablett serviert werden – bleiben sie eine Kuriosität.
Und aus Sicht des Marktes?
Dies zeigt, dass die Zukunft der KI in Smartphones nicht von der Leistungsfähigkeit generativer Modelle abhängt, sondern von der Einfachheit der Anwendung.